Kulturerlebnis- und Besinnungs-Klause St. Moritz
Von Regina Urban
Rahmenbedingung
Das Projekt Kulturerlebnis- und Besinnungs-Klause St. Moritz ist Teil eines durch LEADER in ELER geförderten Projektnetzes der Fränkischen Schweiz. Seit 2008/09 stellt die Lokale Aktionsgruppe „Kulturerlebnis Fränkische Schweiz“ das wanderportal.kulturerlebnis-fraenkische-schweiz.de für die online Planung von Wanderstrecken zur Verfügung und GPS-Koordinaten zum Download. Dazu gibt es einen Wander- und Kulturführer in handlicher Ringbuchform, wie entsprechende Informationstafeln zu kulturhistorischen Hintergründen vor Ort. Ergänzend dazu sollen nun kleine historische Baulichkeiten, wie das ehem. Mesnerhaus im Wallfahrtsbezirk Pinzberg und die Klause St. Moritz bei Leutenbach, als Erlebnisstationen dienen.
Historische und topografische Situation
Burgstall bei (Ober-)Leutenbach
In der Zeit von 1112 bis 1203 ist das edelfreie Geschlecht von Leutenbach urkundlich, das auf einer etwa ein Kilometer süd-östlich der heutigen Ortschaft Leutenbach gelegenen Anhöhe seinen Ansitz hatte. Von der Burg oberhalb von St. Moritz zeugen noch Treppenreste und ein Grabenstück mit Wall. Die kreisrunde Anlage auf dem „Burgstein“ deutet Thomas Platz als Salierburg aus dem 11. Jahrhundert. Als Aussichtspunkt war die Anhöhe mit Burgstall schon im 19. Jahrhundert berühmt. Auf drei Kirchen fällt hier der Blick: St. Moritz und die Pfarrkirche St. Jakobus von Leutenbach sowie die Walburgiskapelle auf dem markanten Höhenzug der Ehrenbürg.
Sankt Moritzkapelle bei Oberleutenbach
St. Mauritius, wie die Kapelle früher hieß, mag als ein zur Burg gehörendes Gotteshaus mit Siedlung gegründet worden sein. Unterhalb des Kirchenhügels lagen vermutlich die Häuser des einstigen, jetzt abgegangenen Oberleutenbach. Seinen Einwohnern hatte Bischof Anton von Rotenhan 1444 den Abbau von Silber und „anderem Ertze“ bewilligt. Von dem einstigen Bergbau zeugen noch Überreste von Stollen. Die Legende macht daraus eine unterirdische Verbindung von Burg und Kirche. Möglicherweise war die Kirche Teil einer weiteren Befestigung bzw. unteren Burganlage, ähnlich wie in Waischenfeld die Pfarrkirche. Beispiele für Kirchen, die ihre Burgen überdauerten, sind in der Fränkischen Schweiz die Klaussteinkapelle von Burg Ahorn und die so genannte Vexierkapelle von Reifenberg. 1465 wird St. Mauritius erstmals urkundlich und scheint wichtiger als die innerhalb Leutenbachs gelegene Kirche St. Jakob. Der Pfarrer von Kirchehrenbach hat „alle pfarrlichen Rechte zu tun“ und Sorge zu tragen, dass alle Sonn- und Feiertage Ämter und Messen in St. Moritz gehalten werden. 1505 kam es – vielleicht anlässlich eines Kirchweihfestes – zur Entweihung und schließlich zur Neuweihe von St. Moritz, denn die Kirchenpfleger versprachen damals, so oft Kirchweih sei, das Gotteshaus zu bewachen, um eine derartige Beschädigung und Entweihung in Zukunft zu verhindern. Im Verlauf des 16. Jahrhunderts verlor St. Moritz seine Vorrangstellung an St. Jakob. 1620 wurden beide Kirchen aus dem Pfarrsprengel Kirchehrenbach gelöst und St. Jakob selbst Pfarrei. Früher, so heißt es im Sulzbacher Kalender 1859, sei die Sankt Moritzkapelle auch Ziel einer „nicht unbedeutenden Zahl frommer Wallfahrer“ gewesen. Von Kirchehrenbach seien regelmäßig Wallfahrten gekommen. Inwieweit es sich um Wallfahrten im engeren Sinne handelte, ist fraglich. Der Ursprung wird aber in der ehemaligen Abhängigkeit der Moritzkapelle von der Pfarrei Kirchehrenbach zu suchen sein.
Kirchenanlage und Einbettung in die Landschaft
Der Aufstieg zur Kirchenanlage St. Moritz beginnt bei einer, links des Weges liegenden, kleinen, kapellenartig gefassten Brunnenanlage mit einer Skulptur des hl. Mauritius. Die Figur bezieht sich auf den Namenspatron der Kirche und ist Nachahmung einer älteren, die gestohlen wurde. Das Brunnenhäuslein ist auf der Flurkarte von 1784 verzeichnet. Schon 1607 befand sich gemäß einer Gotteshausrechnung beim Moritzbrunnen ein Almosenstock. Der Brunnen wurde für Orakeln genutzt und sein Wasser galt als hilfreich bei Aussatz und Augenleiden. Auch die Kleider kranker Kinder sollen in ihm gewaschen worden sein. Der Brunnen könnte demnach Anlass für Wallfahrten nach St. Moritz gegeben haben. Neben dem Moritzbrunnen sind ein Bildstock von 1617 und ein Kreuz aufgestellt. Die Kirchenanlage selbst besteht aus dem Gotteshaus, umgeben von dem Friedhof, der heute noch den Katholiken von Ortspitz, Seidmar, Hundsboden und Hundshaupten als Begräbnisplatz dient. Den Friedhof samt Kirche umschließt eine Mauer mit zwei überhöhten Zugängen. Neben dem Hauptzugang angebaut ist die ehemalige Einsiedelei, erweitert um eine neue Leichenhalle.
Auf der Flurkarte von 1784 existieren der jetzige Hauptweg und der Zugang neben dem Einsiedelhäuschen noch nicht. Die Kirchenanlage von „St. Mauritius“ liegt nicht wie heute rechts, sondern links des Weges. Das Eremitenhäuschen befindet sich demnach auf der vom Weg abgewandten Seite und war über den Friedhof zu erreichen. Hinter dem Chor ist als Anbau an der Kirchhofmauer der abgegangene Karner zu erkennen. Das Beinhaus wurde 1856 abgebrochen, da es mehrfach zu unwürdigem Umgang mit den menschlichen Überresten gekommen war, nachdem kein Eremit mehr über die Totenruhe wachte. Die Gebeine wurden in einem Gemeinschaftsgrab beigesetzt.
Das Gebäude der Einsiedelei St. Moritz
Es war gut, die abgelegene Kirchenanlage nicht ganz ohne Aufsicht zu lassen. Einbruch, Diebstahl und Friedhofsfrevel waren sicherlich nicht die geringsten Gründe, die zur Errichtung der Einsiedelei geführt haben mögen. 1836, zu einer Zeit als in St. Moritz schon länger kein Eremit mehr weilte, zeigte Pfarrer Schild dem Erzbischöflichen Ordinariat einen „wiederholten gewaltsamen Einbruch in der Kirche St. Mauritz“ an, bei dem sogar der Tabernakel ruiniert worden sei, so dass eine neuerliche Benedizierung notwendig schien. Auch 1505 muss es ja schon zu einem beklagenswerten Vorfall gekommen sein, der die Neuweihe der Kirche nötig machte (s.o.). Jedenfalls erhielt der Bildhauergeselle Johann Schön 1749 die Erlaubnis, sich auf „eigene Kösten ein Wohnhäuslein auf dem Kirchhoff zu S. Moriz ob Leutenbach“ zu bauen. In späteren Schriftstücken wird Schön als Eremit bezeichnet. Er gründete die Klause offenbar auf Fels außen an der Friedhofsmauer St. Moritz.
Das Gebäude besteht aus einem kleinen Eingangsbereich, von dem eine Leiter in das Dachgeschoss führt und eine Türe in den linkerhand gelegenen Raum, in dem sich ein schlichter Kachelofen aus der Nachkriegszeit befindet. Der Raum nimmt die gesamte Gebäudetiefe ein und führt in eine kleinere Kammer hinter dem Eingangsbereich. 1975 wurde die Klause um eine Leichenhalle erweitert, die ähnlich groß ist und zudem – dank Hanglage der Kirchenanlage – über eine Garage gebaut wurde. Die Fassade zur Hofsseite zeigt sich jedoch einstöckig unter durchgängigem Satteldach, nur gegliedert von der großen Doppelflügeltür der Leichenhalle und der schmalen Eingangstüre der Einsiedelei, knapp neben der Baufuge. Direkt vor der Klause befinden sich drei Grablegen. Ein Grabstein verstellt sogar teilweise den Zugang. Der lateinische Willkommensgruß „Salve“ in der Betonschwelle ist ein Versuch, den Zugang zu betonen, und stammt wohl aus neuerer Zeit, als die Einsiedelei an Erlanger Studenten als Feriengäste vermietet wurde.
Maßnahme
Da die geplante „Kulturklause St. Moritz“ Teil eines regionalen Kulturkonzeptes ist, in dem das Wallfahrtsmuseum Gößweinstein eine herausragende Rolle spielt, soll sich die Gestaltung der ehemaligen Einsiedelei im Sinne einer corporate identity an der Einrichtung des neuen Wallfahrtsmuseums orientieren.
Aufwertung der Außenwirkung
Um die Aufmerksamkeit auf das Gebäude der Einsiedelei zu lenken, wäre sie von der Leichenhalle farbig abzusetzen und der Zugang in Form einer Beschriftung über oder seitlich der Türe (z. B. „Kulturerlebnis- und Besinnungs-Klause St. Moritz “....) zu betonen.
Nutzung der Räume
Kein Raum der ehemaligen Klause ist groß genug, um im Sinne eines herkömmlichen Museums als Ausstellungsraum zu dienen. Nach Passieren des Eingangsbereiches, darf dagegen im ersten Raum, dem größeren, Platz genommen werden. Der Kachelofen wäre hier evtl. zu entfernen und einfache Sitzbänke an den Wänden anzubringen. Eine Medienstation bietet den Besuchern die Möglichkeit, verschiedene Programme zu wählen und mittels Beamer anzuschauen. Unter Berücksichtigung der Projektionsfläche bietet sich die verbleibende Wandfläche für eine grafische Gestaltung, z. B. mit Attributen oder Darstellungen des Einsiedlerlebens an. Gegebenenfalls könnte auch eine flache Wandvitrine mit Lukaszetteln oder anderen Sakramentalien und Devotionalien, die von Einsiedlern an ihre Wohltäter verteilt wurden, eingerichtet werden.
Der zweite Raum eignete sich als eine Art Diorama für größere Objekte oder der Simulation einer Kammer (z. B. Hieronymus im Gehäuse). Der Zugang wäre in diesem Fall mit einer Glasscheibe/-türe verschlossen. Alternativ wäre an eine gestaffelte Hängung verschiedener Raumfahnen zu denken, zwischen denen sich der Besucher bewegen könnte. Als mögliche Darstellungen bieten sich Einsiedler-Topoi aus der Kunstgeschichte an: der büßende Einsiedler, der Eremit als Studierender, diskutierende Einsiedler, der Eremit beim Bau der Klause und die Versuchung des Einsiedlers (z. B. von Dürer, Schongauer oder aus dem Eremiten-Zyklus von Marten de Vos...).
Programme der Medienstation
- St. Moritz (Historische Situation)
- Sagen um St. Moritz (Totenmesse, Orakelbrunnen...)
- Einsiedler: Ein Leben zwischen heiliger und dubioser Existenz (Verschiedene Arten von Eremiten: Einsiedler-Hierarchien – vom echten zum „Schmuckeremiten“ (4-5 Stufen))
- Einsiedlerwesen in Bayern (Bayerische Eremitenkongregation...)
- Einsiedlerbiografien (zwei kontrastierende Biografien aus St. Moritz: Schön und Göller)
- Die Bücher des Leutenbacher Einsiedlers Göller (Repros von Grafiken aus entsprechenden Büchern)
- Lieder aus der Trutznachtigall von Friedrich Spee von Langenfeld (eines der Bücher des Eremiten Göller aus St. Moritz)
- Friedhof und Totenbrauchtum (Karner, Sterbezettel als Dokumente...)
- Gedanken über das Leben und den Tod (Erbauliches von Musik begleitet; Lichteffekte zur Assoziation von Wetter und Tageszeiten: z. B. Abendrot, Nacht, Morgen (mit Vogelgezwitscher), Gewitter...)
Zielsetzung
Einsiedelei St. Moritz als Erlebnis-Station der Wallfahrts- und Frömmigkeitslandschaft Fränkische Schweiz
In St. Moritz hat sich der seltene Fall eines bescheidenen Einsiedelhäuschens erhalten, von denen es früher in Bayern weit mehr gegeben haben muss. Abgelegene Kirchen, wie auf dem Walberla oder dem Staffelberg, scheinen dafür prädestiniert gewesen zu sein, aber auch im zentral gelegenen Wallfahrtsbezirk von Gößweinstein lebten Eremitinnen. Ihre Wohnstätten sind jedoch vergangen, wie auch die Klause des berühmten Staffelberg-Eremiten Ivo Hennemann. Auf dem Kirchenhügel von St. Moritz bei Leutenbach ist ein Einsiedelhäuschen in seiner Dimension noch erlebbar und soll im Rahmen eines regionalen Kulturprojektes zugänglich gemacht werden.
Die Einsiedelei von St. Moritz ist als Ergänzung zu den 2008/09 eingerichteten Kultur- und Wanderführer-Informationen zu sehen und bietet in diesem Rahmen weiterreichende Inhalte, insbesondere aber eine höhere sinnliche Präsenz. Vor allem dem weniger lesebereiten Touristen sollen in der „Einsiedelei“ über eine Medienstation verschiedene Kapitel mit animierten Bildfolgen, Filmsequenzen und Musik zur Auswahl stehen. Entsprechende CDs oder DVDs könnten zudem zum Verkauf angeboten werden.
Die ehemalige Einsiedelei bietet sich hinsichtlich ihrer ursprünglichen Bestimmung außerdem als ein Ort der Ruhe und Besinnung an. Ein entsprechendes Angebot an geistlichen Betrachtungen und meditativer Musik trüge insbesondere den Trauergästen und Friedhofbesuchern von St. Moritz Rechnung. In Verbindung von Medienstation, einer grafisch gestalteten Raumschale und Exponaten in Form von Reproduktionen, evtl. auch dreidimensionalen Objekten wird eine umfassende Präsentation entstehen, an der die Baulichkeit selbst Anteil hat. Neben der beschriebenen Nutzung vor Ort ist die Kulturerlebnis- und Besinnungs-Klause St. Moritz Teil des regionalen Konzeptes „Wallfahrts- und Frömmigkeitslandschaft Fränkische Schweiz“. Die Redaktion, Vernetzung und Präsentation der einzelnen Objekte (wie Leutenbach und Pinzberg) liegen beim Wallfahrtsmuseum Gößweinstein. Vorgesehen sind Vorträge, Sonderausstellungen, Exkursionen im Rahmen einer Ausstellung oder ein saisonales Programm von geführten Wanderungen. Dabei ist an die Einbindung von LEADER+ Führern zu denken. Vor Ort könnten, wie bisher, der Mesner Hans Greif und der Kirchenpfleger Reinhard Weber die Schlüsselgewalt über Kirche und Einsiedelei ausüben und gegebenenfalls auch weiterhin eine zusätzliche Einführung in der Kirche halten. Andere autorisierte Führer könnten sich die Schlüssel nach Anmeldung und Absprache ausleihen. Hinweise auf entsprechende Ausflüge bzw. geführte Wanderungen (Leutenbach – Pinzberg) sind auf der Homepage des Wallfahrtsmuseum Gößweinstein möglich. Hier wie im Museumsshop gibt es eine Möglichkeit, die CDs/DVDs zur Kulturerlebnis- und Besinnungs-Klause St. Moritz zu bewerben und anzubieten.
Thomas Platz, Burgstall Leutenbach, in: Wanderführer. Kulturerlebnis Fränkische Schweiz, Forchheim 2008, S. 115f.
Kaspar Uhlmann, Konrad Ringelmann: St. Moritz. Filial- und Wallfahrtskirche der Pfarrei Leutenbach in der fränkischen Schweiz in Oberfranken. Sulzbach 1859. in: Kalender für katholische Christen für das Jahr 1859, S. 97.
Situation vergleichbar mit dem Ottobrunnen bei St. Michael in Bamberg Georg Knörlein, Streiflichter aus der Geschichte von Pfarrei, Gotteshaus und Gemeinde Leutenbach, hg. anlässl. d. 375jährigen Bestehens der Pfarrei... 1996 [Leutenbacher heimatkundliche Beiträge Heft 1], S. 50
Früher noch Mittelehrenbach, Oberehrenbach, Egloffstein und Dittersberg. Kaspar Uhlmann, Konrad Ringelmann: St. Moritz. Filial- und Wallfahrtskirche der Pfarrei Leutenbach in der fränkischen Schweiz in Oberfranken. Sulzbach 1859. in: Kalender für katholische Christen für das Jahr 1859 S. 94-98
AEB, Rep. 4/1, Leutenbach, St. Moriz, 187, 12. Juli 1836.
